Interview mit Daniel Pichert

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Vier Fragen zum Thema Förderung

Kann jede*r Fördermittel beantragen? Welche grundlegenden Anforderungen muss eine Initiative erfüllen?

Privatpersonen oder Gruppen ohne Rechtsform werden häufig nicht oder nur sehr eingeschränkt gefördert. Bei vielen Einrichtungen sind nur juristische Personen antragsberechtigt, also Vereine oder GmbHs. Ein weiteres Kriterium ist weiterhin häufig die Gemeinnützigkeit. Der klassische Zuwendungsempfänger ist der gemeinnützige Verein. Wenn eine Gruppe eine solche Organisationsform nicht hat oder nicht will, dann besteht die Möglichkeit, ein Projekt in Zusammenarbeit mit einer bestehenden Organisation zu beantragen. Wichtig ist, dass man sich vertraut und eben gut zusammenarbeiten kann.

Ist es immer sinnvoll, Fördermittel zu beantragen?

Nein, ist es nicht. Natürlich wollen viele Initiativen und Organisationen Geld. Die Frage ist, ob man das bekommt, was man wirklich benötigt. Wenn ich Honorarkosten benötige und eine Einrichtung fördert nur Sachkosten, dann ist eine

Antragstellung wenig sinnvoll. Weiterhin: Wie viel Zeit kosten mich Antragstellung, Abrechnung und Berichterstattung? Größere Zuwendungen aus EU-Töpfen oder von öffentlichen Einrichtungen bringen einen gewissen administrativen Aufwand mit sich. Es ist wichtig, die Kosten – also auch die zeitliche Investition – und den Nutzen ins Verhältnis zu setzen.

Was verändert sich, wenn ich ein Projekt fördern lasse?

Im besten Fall schreibt man einen schlanken Antrag und kann dann mit der erhaltenen Fördersumme das tun, was man will. Am Ende muss man das Projekt noch abrechnen, also einen Bericht oder Verwendungsnachweis erstellen. Gerade bei größeren Fördersummen wird die Verwaltung aber aufwändig. Sie bringt Tätigkeiten mit sich, die mit dem konkreten Engagement vor Ort wenig zu tun haben – Antragstellungen, Buchhaltung, Abrechnung. Die Frage ist, ob man sich mit solchen Dingen beschäftigen kann und will. Ganz ohne geht es nicht. Die gute Nachricht ist: Zuwendungsgeber*innen mischen sich in der Regel wenig in die Projektarbeit ein. Sie vertrauen den Organisationen, die sie ausgewählt haben. Wenn man sich an die Regeln hält und das Projekt korrekt abrechnet, dann kann man eigenständig arbeiten.

Begriffe wie „Kofinanzierung“ oder „Eigenmittel“ lösen bei fördererfahrenen Projekten manchmal großen Unmut aus. Was verbirgt sich dahinter, was muss ich beachten?

Eine Einrichtung sagt: Wir fördern dein Projekt, aber nur einen Teil davon. Zum Beispiel 50 oder 75 Prozent. Den Rest zahlst du selber (Eigenmittel) oder holst ihn dir woanders her (Kofinanzierung). Das macht die Sache leider unnötig kompliziert. Wenn es um ein paar Hundert Euro geht, dann kriegen Organisationen das hin. Schwieriger wird es, wenn es um viele Tausend Euro geht. Dieses Geld ist häufig nicht da, zumindest nicht zum Zeitpunkt der Antragstellung. Es gibt aber auch hier Mittel und Wege, und auch ein paar Tricks. Wichtig ist es in jedem Fall, sich rechtzeitig damit auseinanderzusetzen. So sind zum Beispiel Fördermittel und Spenden hervorragend kombinierbar. Jedoch sollte man beachten, dass im Projektverlauf selbst eingeworbene Gelder je nach Art der Förderung auch nachträglich als Eigenmittel angerechnet werden können – in dem Fall sinkt die Zuwendungshöhe, und das Geld ist „weg“ – das ist bei dem Modell der Fehlbedarfsfinanzierung oder der Anteilsfinanzierung der Fall.

 
 
Portrait von Daniel Pichert
 

Daniel Pichert ist ein erfahrener Coach und Trainer für den gemeinnützigen Bereich. Seine Schwerpunkte sind Organisationsentwicklung, strategische Beratung und Qualifizierung von Mitarbeiter*innen und Ehrenamtlichen durch Seminare, Coaching und Projektarbeit. Themen sind Fundraising, Projektmanagement, Organisationsentwicklung, Teambuilding und Kommunikation.

Daniel Pichert ist u.a. der Autor des Buches „Erfolgreich Fördermittel einwerben. Tipps und Tricks für das Schreiben von Projektanträgen“ (Arbeitshilfe für Selbsthilfe- und Bürgerinitiativen, zu beziehen für 10,00 € über die Stiftung Mitarbeit, www.mitarbeit.de).

 

Förderbroschüre

Das Cover der Broschüre "Gutes Gedeihen lassen" vom BBE zeigt die Crew der Traumschüff geG bei ihrem Tourauftakt vor ihrem Theaterschiff
 

Gutes Gedeihen lassen. Mit Fördermitteln demokratische Kultur und Engagement in ländlichen Räumen stärken

Dieser Beitrag erschien in der BBE-Publikation "Gutes Gedeihen lassen. Mit Fördermitteln demokratische Kultur und Engagement in ländlichen Räumen stärken". Sie stellt anhand anschaulicher Praxisbeispiele verschiedene Fördermöglichkeiten im Themendreieck »Demokratiestärkung«, »Engagement« und »Ländliche Entwicklung« vor.

Gedruckte Exemplare senden wir gern zu, solange der Vorrat reicht: susanne.hartl@b-b-e.de

 

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Logos des Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) und der Amadeu Antonio Stiftung (AAS)
 
 

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