Engagiert: Gute Praxisprojekte

 

Gelebte Solidarität mit Haushaltshilfen/ Pflegehelferinnen aus Osteuropa

 

Das Projekt in Kürze

"Gelebte Solidarität mit Haushaltshilfen/ Pflegehelferinnen aus Osteuropa" – die Idee zu diesem Projekt hatte ich bei Besuchen von alten und kranken Menschen in Bermatingen (Baden-Württemberg). Hier traf ich Haushaltshilfen und Pflegehelferinnen aus Polen, Bulgarien etc., die vereinsamt und überfordert waren. Es lag mir sehr am Herzen, ein Austauschtreffen einzurichten, um diese Frauen untereinander in Verbindung zu bringen.

Das erste Treffen fand am 4. Juni 2013 im Mehrgenerationenhaus (MGH) Markdorf statt. Dabei stellte ich fest, dass die Haushaltshilfen/ Pfleghelferinnen häufig nur mangelhafte Deutschkenntnisse hatten. Pflege ohne Sprache ist ganz schwierig und unbefriedigend für alle Beteiligten. Das Treffen wurde zunächst um einen kostenlosen Deutschkurs und später sogar um einen Abholfahrdienst ergänzt. Einmal im Monat hängen wir eine Stunde dran und trinken Kaffee und essen Kuchen. Anschließend wird die kostenlose Kleiderkiste im MGH genutzt.

Ein weiteres Ziel war es, die Öffentlichkeit zu informieren, zu sensibilisieren und auf die Arbeitsbedingungen der Haushaltshilfen/Pflegehelferinnen aus Osteuropa hinzuweisen.

 

Wie stärkt das Projekt die Gemeinschaft vor Ort?

Die Gruppe steht unter Schweigepflicht, das Vertrauen wird nicht aufs Spiel gesetzt. Sie helfen sich gegenseitig, verstehen einander besser, bei Problemen stehen sie zusammen und machen sich Mut. Die Angehörigen sind erfreut über unser Tun, sie haben einen Nutzen und begleiten die Frauen zum Teil selbst zum Treffen. Es kamen bereits interessierte Besucherinnen aus Politik, von der Universität Berlin und aus Kassel zu uns. Manuela Blum, Caritasverband Freiburg und Elisabeth Real, Zürich, haben uns einen Tag lang besucht und im Sozialcourage (Das Magazin für soziales Handeln) Herbst 2016 einen Bericht veröffentlicht. Darüber hinaus gab es zahlreiche Anfragen aus ganz Deutschland. Das MGH trägt uns, steht uns zur Seite und hat uns bereits zum Internationalen Frauentreff sowie zum Sommerfest eingeladen. Die Katholische Besuchsdienstgruppe, der ich angehöre, hat an Wert/Anerkennung gewonnen, ist dadurch gestärkt worden. Wir sind ganz nah am Menschen vor Ort, die Vernetzung mit anderen Gruppen/Verbänden ist wichtig und für alle ein großer Gewinn.

 

Wer beteiligt sich am Projekt?

Folgende Personen sind am Projekt beteiligt:

  • Projektleiterin Gerda Dilger; Deutschlehrerin
  • Sabine Gebhardt (bis März 2016)
  • Deutschbegleiterinnen Gertrud Ossmann, Gerda Dilger (ab April 2016)
  • Sechs ehrenamtliche Personen für den Abholfahrdienst
  • Fachfragen beantwortet Renate Hold, MGH
  • Waltraud Zeller-Fleck, MGH
  • Mathilde Röntgen von den Caritas-Konferenzen Deutschland (CKD) Freiburg, (Führung des CKD-Projektkontos).

 

Welche Ergebnisse wurden bereits erzielt?

Einige Nachahmer-Projekte laufen bereits und wir stehen untereinander in Kontakt. Fachreferate im Projekt wurden durchgeführt – auf Wunsch mit Unterstützung der Caritas-Stiftung Freiburg. Es wurden u. a. Vorträge zu folgenden Themen gehalten: Nähe und Distanz, Entspannungsübungen, Achtsamkeit. Im Jahr 2013 haben wir den "innovatio-Sozialpreis" für Caritatives, Diakonisches Handeln erhalten. Außerdem waren wir beteiligt und wurden ausgezeichnet beim Wettbewerb "Leuchttürme der Bürgerbeteiligung". Der Preis ist vom Staatsanzeiger Baden-Württemberg ausgelobt worden. Nicht zuletzt haben wir für besondere Leistungen im Januar 2016 die Ehrungsurkunde der Stadt Markdorf beim Neujahrsempfang überreicht bekommen.

 


Infokasten

Projektzeitraum: Die erste Umfrage zur Projektidee war am 5. November 2010, das erste Treffen fand am 4. Juni 2013 statt. Das Projekt läuft noch.

Wo wurde das Projekt umgesetzt? MGH Markdorf

Ich entschloss mich dazu, statt in Kirchenräume ins MGH zu gehen, weil dort alle Menschen/Nationen vertreten sind.

Zielgruppe: Haushaltshilfen/ Pflegehelferinnen aus Bulgarien, Rumänien, Polen, Ukraine, Syrien

(Projekt)Partner: CKD, Diözesanverband Freiburg, Dekan Peter Nicola, Dekanat Linzgau, MGH Markdorf, zwei private Vermittlungsagenturen, Sozialstation Markdorf, Selbsthilfe-Netzwerk Bodenseekreis Friedrichshafen, Faire Care Stuttgart

(Bisherige) Teilnehmendenzahl:

2013: 89 Teilnahmen mit 449 km Fahrdienst

2014: 405 Teilnahmen mit 461 km Fahrdienst

2015: 512 Teilnahmen (davon elf vom Dekanat Friedrichshafen) mit 711,5 km Fahrdienst

Vom 01.Januar – 29. Juni 2016: 245 Teilnahmen

Benötigte Ressourcen: Wöchentliche Raumbenutzungsgebühr ans MGH pro Treffen 15 Euro

Fachreferate zu Spezialthemen, wie z. B. Achtsamkeit, Nähe und Distanz, Entspannungsübungen bei Stress, Sucht, Diabetes, Demenz, Häusliche Gewalt sowie eine Supervision für die Projektleiterin sind von der Caritas-Stiftung Freiburg auf Antrag bezahlt worden

Kosten für Kopien und Drucke der Arbeitsmaterialien werden zum Teil von Spenden bezahlt

Die Deutschlehrerin wird vom MGH bezahlt

Kosten für Abholfahrdienst und Getränke übernimmt das Dekanat Linzgau

Kuchen und Weihnachtsfeier werden über Spenden finanziert


 

Wer hat das Projekt initiiert? Inwiefern spielt eine Rolle, wer das Projekt initiiert hat?

Ich, Gerda Dilger, Besuchsdienstmitarbeiterin der Katholischen Pfarrgemeinde Bermatingen, habe das Projekt initiiert. Durch die Vorstandsarbeit bei den CKD Freiburg (das Netzwerk von Ehrenamtlichen) lernte ich neue Wege im Ehrenamt kennen und wurde ermuntert, meine Idee als CKD-Projekt im Dekanat Linzgau aufzubauen. Es war ein schwieriger Weg und mein erstes Projekt. Für die Projektleitung konnte ich bis jetzt keine Nachfolge finden. Die Gewinnung von Mitarbeiter_innen ist in der heutigen Zeit ein großes Problem.

Bild-Adresse:
v.l.n.r.: Gerda Dilger, Sabine Gebhardt

 

Ist das Vorhaben nachhaltig angelegt? Inwiefern?

Ja, denn der Bedarf/die Nachfrage ist da und wird immer mehr. Durch die Öffentlichkeitsarbeit bekommen wir Spenden, um einen Teil der Unkosten zu decken. Die Dekanatsmittel sind für die Getränke und Fahrkosten. Das MGH ist gut belegt, daher haben wir unser Treffen von Dienstag- auf Mittwochnachmittag verlegen müssen. Durch den hohen Bedarf infolge der gestiegenen Flüchtlingszahlen bekommen wir trotz aller Bemühungen keine Deutschlehrer_innen, somit müssen wir den Deutschunterricht seit März selbst durchführen. Das war/ist eine erneute Herausforderung und braucht noch mehr Engagement/Vorbereitung. Eine finanzielle Unterstützung für Fachthemen wäre wünschenswert.

 

Ist das Projekt übertragbar? Wenn ja, unter welchen Bedingungen? Was sind spezifische Faktoren?

Ja, überall in Deutschland sind Haushaltshilfen und Pflegehelferinnen beschäftigt. Schwierig ist es vor allem, an die Haushaltshilfen/Pflegehelferinnen heranzukommen. Die Besuchsdienste, der Pfarrer, die Sozialstationen, die Pflegedienste, die privaten Vermittlungsagenturen und die Pflegestützpunkte im Landratsamt kommen in und mit Haushalten in Kontakt, in denen alte und kranke Menschen in ihren Wohnungen zu Hause leben.

 

Was können Sie anderen mit auf den Weg geben?

Es braucht Hauptamtliche, die uns Ehrenamtliche in Projektabläufen begleiten und dafür fehlt oft die Zeit. Ohne Moos nix los. Ehrenamt geht nicht ohne Geld. Projektmittel sind aufwendig zu beantragen. Für die Vernetzungsarbeit mit anderen Gruppen/Fachverbänden braucht es einen langen Atem.


Eine polnische Haushaltshilfe meinte:

Engel gibt's im Himmel, auch hier bei uns, das bist du, Frau Dilger.


 

Kontakt

Gerda Dilger, Projektleiterin
Buchbergstraße 42
88697 Bermatingen
Telefon: 07544 – 72 12 0
E-Mail: hegedi@t-online.de

Weitere Informationen zum Projekt

 
 

Partner

Logos des Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) und der Amadeu Antonio Stiftung (AAS)
 
 

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