Engagiert: Gute Praxisprojekte

© Ludger Meyer

 

Kulinarisch um die Welt

 

Das Projekt in Kürze

Der Anstoß zum Integrationsprojekt "Kulinarisch um die Welt" kam vom Amt für Familie, Soziales, Integration und Teilhabe der Gemeindeverwaltung Neuenkirchen-Vörden (Niedersachsen). Es wurde die Idee entwickelt, Frauen mit und ohne Migrationshintergrund zu einem gemeinsamen Kochabend einzuladen, um sich besser kennenzulernen und so außerdem die Sprachkenntnisse der ausländischen Mitbürgerinnen verbessern zu können. Es folgten von Juli 2012 bis August 2016 38 Kochabende mit Spezialitäten aus 38 Ländern. Einmal im Monat wurde mit vielen Interessierten in der Küche der Oberschule gemeinsam – getreu dem Motto: "Integration geht durch den Magen!" – gekocht.

An großen Tafeln wurde gemeinsam gegessen, mal mit Besteck, mal nur mit den Händen, eben wie es in der Nationalküche des jeweiligen Landes üblich ist.

Per Beamer gab es Bilder oder einen kurzen Film über das jeweilige Heimatland zu sehen, es wurde gesungen oder getanzt, wer eine Nationaltracht hatte, brachte sie mit. Auch Jahresfeste der einzelnen Länder wurden berücksichtigt: am Nikolaustag wurden Gedichte in verschiedenen Fremdsprachen zitiert, am Weltfrauentag, dem 8. März, gab es Blumen für die Frauen. Das Essen war kostenfrei, Spenden waren willkommen. Die "fremde" Kultur bleibt nicht nur Theorie, sie wird ganz praktisch gelebt.

Unser Leitspruch lautet: "Migrantinnen und Migranten bereichern Neuenkirchen-Vörden in sehr vielfältiger Weise. Wir möchten sie unterstützen und ihnen helfen, damit sie gut bei uns ankommen, sich hier wohlfühlen und sich integrieren können."

Entstanden ist außerdem das Kochbuch "Kulinarisch um die Welt", das im Dezember 2014 veröffentlicht worden ist. Von der ersten Auflage, die fast vollständig vergriffen ist, wurden 1.000 Stück produziert. Auf die große Resonanz sind alle besonders stolz!

Im Buch werden die Länder und die gekochten Speisen vorgestellt, in Interviews erzählen die Köch_innen von ihrem Leben in der Heimat und in Deutschland. Aber auch die Beweggründe und Schicksale für ihre Migration nach Deutschland werden angesprochen.

 

Wie stärkt das Projekt die Gemeinschaft vor Ort?

Die gemeinsamen Kochabende waren Brücken zur Integration. Es entstanden Kontakte und Freundschaften untereinander. Das Projekt soll nicht nur dazu einladen, die Vielfalt der Weltküche zu kosten, sondern dient auch als kleiner Einblick in andere Kulturen. Dem Integrationsteam ist es gelungen, die Menschen vom Rande der Gesellschaft in die Mitte der Gesellschaft zu holen. Dieses Integrationsprojekt hatte aber noch einen ganz wichtigen Nebeneffekt: Durch das Projekt haben sich auch das Bürgerengagement und der Kreis der ehrenamtlichen Helfer_innen erweitert. Das Integrationsteam kümmert sich zudem um weitere Möglichkeiten der Willkommenskultur, z. B. gibt es Alphabetisierungskurse, ein Nähcafé und eine Fahrradwerkstatt.

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Fotos: Ludger Meyer

 

Wer beteiligt sich am Projekt?

Am Projekt beteiligt ist das Integrationsteam der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden.

 

Welche Ergebnisse wurden bereits erzielt?

Durch gemeinsames Tun, gemeinsames Essen und Genießen sind Vorurteile und Scheu vor dem "Fremden" überwunden worden. Gegenseitiger Respekt und Anerkennung haben zu einem offenen Verhältnis untereinander geführt. Das Ziel unserer gemeinsamen Kochabende war, mit unseren ausländischen Mitbürger_innen ins Gespräch zu kommen sowie deren Heimatländer und Kulturen kennenzulernen. Das gemeinsame Kochen und das gemeinsame Essen hat viele Menschen miteinander verbunden, man begegnet sich auf der Straße, beim Einkaufen, man kennt sich, grüßt sich und lächelt sich an, Kinder spielen bereits gemeinsam erfolgreich in den Sportvereinen, nehmen am Tanzkurs teil.

 


Infokasten

Projektzeitraum: Die Auftaktveranstaltung fand am 1. Juni 2012 im Rahmen eines Integrationsfrühstücks statt, zu dem alle ausländischen Mitbürger_innen eingeladen waren, dort wurde unsere Projektidee vorgestellt. Projektbeginn war im Juli 2012. Von Juli 2012 bis August 2016 haben sich 38 Länder vorgestellt.

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Migrationshintergrund Projekt(Partner): Verschiedene Sponsor_innen, private Spender_innen

(Bisherige) Teilnehmendenzahl: Die Anzahl der Teilnehmer_innen wuchs ständig, so trafen sich an den Kochabenden bis zu 100 Personen in der Pausenhalle, der Mensa und der Schulküche der Oberschule Neuenkirchen-Vörden zum Integrationskochen.

Benötigte Ressourcen: Räumlichkeiten, Personalstellen und finanzielle Unterstützung (Hausmittel der Gemeinde sowie durch Sponsor_innen und Spenden) Räumlichkeiten (Schulküche, Mensa, Pausenhalle) stellt uns die Oberschule Neuenkirchen-Vörden zur Verfügung

Ehrenamtler_innen setzen das Projekt um

Wo wurde das Projekt umgesetzt? Die multikulturellen Kochabende finden ab 2017 alle 3 Monate in der Oberschule Neuenkirchen-Vörden (Landkreis Vechta, Niedersachsen) statt. Die Gemeinde hat inzwischen 8.500 Einwohner_innen, rund 1.065 Menschen davon sind ausländische Mitbürger_innen. Unter den Zugewanderten sind Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet (200 Menschen), aber auch ausländische Arbeitskräfte aus Südosteuropa (rumänische, bulgarische und polnische Zuwander_innen). Die Anzahl der ausländischen Mitbürger_innen hat sich in den vergangenen fünf Jahren nahezu verdoppelt. Stärkste Herkunftsländer sind Polen, Türkei, Bulgarien und Rumänien. Insgesamt leben Menschen aus 55 Ländern in der Gemeinde. Die Vielfalt ist groß.


 

Wer hat das Projekt initiiert? Inwiefern spielt eine Rolle, wer das Projekt initiiert hat?

Der Anstoß zu diesem Integrationsprojekt kam vom Amt für Familie, Soziales, Integration und Teilhabe der Gemeindeverwaltung. Es wurde die Idee entwickelt, Frauen mit Migrationshintergrund und Frauen aus der Gemeinde zu einem gemeinsamen Kochabend einzuladen, um sich besser kennenzulernen und gleichzeitig die Sprachkenntnisse der ausländischen Mitbürgerinnen zu verbessern.

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Fotos: Ludger Meyer

 

Ist das Vorhaben nachhaltig angelegt? Inwiefern?

Der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden ist eine nachhaltige Integration ihrer Neubürger_innen mit und ohne Migrationshintergrund besonders wichtig. Damit eine nachhaltige Integration auch gelingen kann, hatte die Gemeinde ein Konzept zum Willkommensmanagement entwickelt. Dieses beruht auf drei Säulen:

  1. eine schnelle sprachliche Integration
  2. Hilfen durch ehrenamtliche Integrationslots_innen/Integrationspat_innen
  3. eine zielgerichtete soziale Eingliederung der Zuwander_innen.

 

Ist das Projekt übertragbar? Wenn ja, unter welchen Bedingungen? Was sind spezifische Faktoren?

Die Bürger_innen der Gemeinde sehen in den neuen ausländischen Mitbürger_innen eine Bereicherung. Längst ist die Willkommenskultur in Neuenkirchen-Vörden im Alltag angekommen und wird von den Bürger_innen gelebt. Die Akzeptanz gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund konnte durch dieses Projekt sehr nachhaltig verbessert werden. Anfragen aus Nachbargemeinden, die das Modell kopieren wollen, bestätigen uns darin.

 

Was können Sie anderen mit auf den Weg geben?

Nachdem fast täglich in den Nachrichten über ein neues Attentat berichtet wird, können sich die Flüchtlinge kaum konzentrieren. Sie haben das Gefühl, dass jeder Anschlag auch sie selber trifft, weil sie die misstrauischen Blicke vieler Deutscher spüren. Sie haben ihre Familie, Nachbar_innen und ihre gewohnte Umgebung verloren und müssen neue Wurzeln schlagen. Wir müssen lernen, mit ihnen zu leben. Das hilft uns auch gegen unsere Ängste. Der Wille zur Verständigung ist nötig, auf beiden Seiten. Ein Fremder ist ein Freund, den man nur noch nicht kennt. 

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Foto: Ludger Meyer

 


Dieses Projekt ist toll! Männer und Frauen mit Migrationshintergrund sind oft sehr schüchtern. Das Projekt ist eine tolle Möglichkeit für uns, unser Heimatland, unsere Sitten, Bräuche zu präsentieren. Gleichzeitig knüpfen wir neue Kontakte und Freundschaften und werden in die Gemeinschaft eingebunden. Das ist ein schönes Gefühl. Man fühlt sich willkommen in der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden und wir haben eine neue Heimat gefunden!

Besser als mit diesem Zitat eines Teilnehmers aus Pakistan kann man den Erfolg des Projektes nicht beschreiben.


 

Kontakt

Katharina Schulz
Integrationsbeauftragte der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden
Telefon: 05493 - 98 71 55
E-Mail: katharina.schulz@neuenkirchen-voerden.de

 
 

Partner

Logos des Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) und der Amadeu Antonio Stiftung (AAS)
 
 

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