Engagiert: Gute Praxisprojekte

 

Selbsthelfer e.V.

 

Das Projekt in Kürze

Durch die grenznahe Lage des Raums Rosenheim (Oberbayern) sowie den Verkehrs- und Bahnknotenpunkt wurden dort im Jahr 2015 sehr viele Flüchtlinge aufgenommen. Im Jahr 2017 waren ca. 4.000 Flüchtlinge im Raum Rosenheim (Oberbayern) untergebracht. Das Thema beschäftigte die Menschen vor Ort und war leider oftmals negativ besetzt. Wegen Wohnraumnot wurden bis Mitte 2016 viele Flüchtlinge in Massenunterkünften/ Turnhallen untergebracht, die dann die ersten Empfängerinnen und Empfänger unserer erstellten Produkte waren.

Was ist also die Idee von "Selbsthelfer e. V."? Zugewanderte stellen ehrenamtlich Produkte her, die sie dann an bedürftige Menschen unentgeltlich verteilen, z. B. an bedürftige Seniorinnen und Senioren, Kundinnen und Kunden der Tafel, andere Flüchtlinge usw. Unser Ziel ist, dass Zugewanderte anderen Menschen helfen und sich aktiv in unsere Gesellschaft einbringen: Sie bekommen nicht nur, sondern geben auch. Handwerkliche und organisatorische Fähigkeiten werden durch sinnvolle Beschäftigung vermittelt. So lernen die Zugewanderten nicht nur unsere Werte (Freiheit, Demokratie, Gleichheit von Mann und Frau etc.), sondern wir Menschen lernen uns auch besser kennen: als Basis für Verständnis und Vertrauen. Ein weiteres Ziel ist die Gründung weiterer "Selbsthelfer"-Gruppen! Der Verein unterstützt die Gründung mit Starterpaketen (Maschinen, Geräte, Materialien, Schnittteile und Know-how) und betreut die neuen Gruppen.

In "Selbsthelfer"-Nähgruppen werden derzeit z. B. Dokumententaschen, Kosmetik-Rolltaschen und Turnbeutel aus Stoffresten gefertigt, die dann an Kundinnen und Kunden der Tafel, an Menschen in Gemeinschaftsunterkünften als Organisationshilfe oder Kindern in Kinderheimen geschenkt werden. In den "Selbsthelfer"-HOFFER-Gruppen, die vor allem Zuspruch bei Männern finden, werden derzeit aus gebrauchten Kartonagen Kombimöbel zum Sitzen (Hocker) und zur Aufbewahrung (Koffer) gebaut, die ursprünglich für Menschen in Gemeinschaftsunterkünften gedacht waren. Mittlerweile werden die HOFFER auch in Wartebereichen von öffentlichen Gebäuden als Sitzmöbel verwendet.

Die "Selbsthelfer"-Gruppen arbeiten einmal pro Woche im Herzen der Gemeinden in zentralen Räumen (Pfarrheimen, Schulen etc.). Wesentliche Punkte sind das gemeinsame Vorbereiten, das Aufräumen und die Pünktlichkeit, die Arbeitssprache Deutsch, das Führen von Teilnahmelisten, die Erstellung von Teilnahmebestätigungen etc.

 

Wie stärkt das Projekt die Gemeinschaft vor Ort?

Die Bevölkerung nimmt positiv zur Kenntnis, dass sich die neuen Nachbarinnen und Nachbarn ehrenamtlich engagieren und dem Vorwurf, nur zu nehmen, aktiv entgegentreten (Abbau von Vorurteilen/ Akzeptanzproblemen). Nachdem das gemeinsame Arbeiten das verbindende Element ist, engagieren sich auch Personen, die bisher nicht mit Zugewanderten in Berührung gekommen sind. Insbesondere auch Jugendliche (Basis für Verstehen und Vertrauen). Wir erleben in den Gemeinden eine große Bereitschaft, den Zugewanderten Nähmaschinen, Stoffe, Räume zum Arbeiten usw. für ihr Engagement zur Verfügung zu stellen. Auch werden die Gruppen und somit die Zugewanderten vermehrt eingeladen, sich an z. B. Dorf- und Pfarrfesten zu beteiligen, sie werden zunehmend als Mitbürgerinnen und Mitbürger wahrgenommen und in die Gemeinschaft integriert.

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Wer beteiligt sich am Projekt?

Personen, die unsere Ziele teilen:

Integration der Zugewanderten als aktive Mitglieder der Gesellschaft:

Die "Selbsthelfer"-Gruppen bringen die Bürgerinnen und Bürger mit den neuen Nachbarinnen und Nachbarn zusammen; Vorbildfunktion der Bürgerinnen und Bürger durch gemeinsames Arbeiten, Deutsch sprechen etc.; Basis für Kennen-, Vertrauen- und Verstehenlernen.

Wertevermittlung:

Zugewanderte lernen durch gemeinsame Arbeit Solidarität, Gleichheit von Mann und Frau, Freiheit, Demokratie etc. kennen.

Aktive Bürgerschaft:

Zugewanderte im Ehrenamt: Sie lernen das Funktionsprinzip unseres Staates kennen: jede/r bringt sich ein, übernimmt ein Stück Verantwortung etc.

Demografie und Arbeitsmarkt:

Bei gelingender Integration kann die Zuwanderung bestehende Defizite ausgleichen. Ehrenamtlich tätige Zugewanderte sollen zur Selbstverständlichkeit werden.

 

Welche Ergebnisse wurden bereits erzielt?

Zehn "Selbsthelfer"-Projektgruppen in neun Kommunen; davon vier Jahresprojekte in 2016 und sechs weiterhin aktive Projektgruppen (Stand März 2017);

Bereits sieben Mal haben Zugewanderte produzierte Güter übergeben können, z. B. in Erstaufnahmeeinrichtungen, Gemeinschaftsunterkünften, Containersiedlungen, bei Tafel-Gaben, an Seniorinnen und Senioren etc. Weitere Übergaben sind geplant, z. B. im Waisenhaus München.

Weitere Neugründungen von "Selbsthelfer"-Projektgruppen in anderen Gemeinden sind in Planung.

 


Infokasten

Zeitraum

Projektplanung seit Juni 2015, Vereinsgründung im September 2015, Erste "Selbsthelfer"-Nähprojektgruppe ab Oktober 2015

Wo wurde das Projekt umgesetzt?: Stadt und Landkreis Rosenheim (Oberbayern), ca. 300.000 Einwohnerinnen und Einwohner, 46 Gemeinden

Zielgruppe: Zugewanderte und Deutsche

Projekt(Partner): Wohlfahrtsverbände, Kirchen, Landratsamt und Stadt Rosenheim, Stiftung Gute Tat – München, Soziale Stadt Rosenheim, betterplace (Crowdfunding-Plattform), viele Privatpersonen und Unternehmen (Unterstützerliste auf unserer Website)

(Bisherige) Teilnehmendenzahl: Bisher zehn "Selbsthelfer"-Projektgruppen: jeweils drei bis sechs deutsche und sechs bis zehn nicht-deutsche Ehrenamtliche, deren Familien und Freundinnen und Freunde, Nachbarinnen und Nachbarn, Bevölkerung, Tafel-Personal etc.

Benötigte Ressourcen:

Ausstattung und Material weitestgehend aus vorhandenen Ressourcen (Stoffreste aus Produktion, gebrauchte Kartonagen, gebrauchte Geräte und Maschinen usw.)
Räume können von Projektgruppen unentgeltlich genutzt werden (in Pfarrheimen, Schulen, Unterkünften, kommunalen Einrichtungen etc.), Verein kann Büroraum und -infrastruktur unentgeltlich nutzen
Jede Projektgruppe hat einen Geldbedarf von ca. 250 bis 400 Euro bei Neugründung und p.a.
Zur Finanzierung einer Organisations- und Koordinierungsstelle für den Verein und die Projektgruppen werden monatlich ca. 500 Euro benötigt


 

Wer hat das Projekt initiiert?

Bürgerinnen und Bürger haben das Projekt initiiert. Bürgerinnen und Bürger, die sich einmischen, die ihre Zukunft gestalten wollen. Die nicht nur schimpfen, klagen, sich beschweren, sondern selbst etwas tun. Bürgerinnen und Bürger, die ihre neuen Nachbarinnen und Nachbarn kennenlernen, verstehen wollen und die sich bewusst sind, dass ihre Vorfahren auch irgendwann einmal Flüchtlinge und Fremde waren.

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Ist das Vorhaben nachhaltig angelegt?

Das Ziel muss sein, dass sich Zugewanderte genauso ehrenamtlich einbringen, wie es die Bayerinnen und Bayern tun. Die/der ehrenamtlich tätige Zugewanderte soll zur Selbstverständlichkeit werden. Auch in unserer Gesellschaft wird es immer bedürftige Menschengruppen geben, die Hilfe und Unterstützung benötigen. Wir werden immer Produkte finden, die diesen Personen helfen können, den Alltag zu bestreiten.

 

Ist das Projekt übertragbar? Wenn ja, unter welchen Bedingungen?

Ja, "Selbsthelfer"-Gruppen können überall entstehen! Problemlos. Der Verein hilft gerne mit!

 

Was können Sie anderen mit auf den Weg geben?

Von Anfang an alle Gruppen informieren, möglichst beteiligen und um Unterstützung und wohlwollende Begleitung bitten! Unsere Vision: Ehrenamtlich tätige Menschen – Zugewanderte und Deutsche, Junge und Ältere, Frauen und Männer – arbeiten zusammen, übernehmen Verantwortung, gestalten, bringen sich in die Gesellschaft ein, um damit anderen Menschen zu helfen. Eingesetzt werden möglichst vorhandene Ressourcen: eine Win-win-Situation in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht.

 

Kontakt

Heike Maas, Vorsitzende

Selbsthelfer e. V.

Bäckerzeile 3b

83512 Wasserburg

Telefon: 08071 - 9219233

E-Mail: info@selbsthelfer-verein.de

Website: www.selbsthelfer-verein.de

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