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Ehrenamtliche Pflegelotsen

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Engagiert: Gute Praxisprojekte

Ehrenamtliche Pflegelotsen

Pflegelotsen bei der Fortbildung "Grenzen im Ehrenamt"
 

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Das Projekt in Kürze

"Ehrenamtliche Pflegelotsen" im Landkreis Konstanz (Baden-Württemberg) – ein Besuchsdienst zur Orientierung und Unterstützung Pflegebedürftiger und pflegender Angehöriger. Die Konzeption sowie die Umsetzung des Projektes erfolgten federführend durch die Fachstelle für Bürgerschaftliches Engagement des Landkreises Konstanz in enger Zusammenarbeit mit der Sozialplanung und dem Pflegestützpunkt.

Pflegelots*innen sind engagierte und geschulte Freiwillige, die Pflegebedürftige sowie pflegende Angehörige besuchen und im Alltag unterstützen. Sie stehen Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen als Vertrauenspersonen über einen gewissen Zeitraum zur Seite, führen Gespräche, suchen mit ihnen gemeinsam nach Lösungen, zeigen ihnen Entlastungsmöglichkeiten auf und ermutigen sie zur Selbstsorge. Organisatorisch sind sie dem Pflegestützpunkt, Hauptsitz Radolfzell, zugeordnet, der dabei als "Türöffner" fungiert, indem seine Mitarbeiterin – in Zusammenarbeit mit der ehrenamtlichen Koordinationskraft – Pflegelots*innen an ratsuchende Pflegebedürftige und pflegende Angehörige vermittelt, die Unterstützung wünschen.

Eine initiale Schulung über 30 Stunden, zur Vorbereitung der interessierten Ehrenamtlichen auf ihre zukünftige Tätigkeit, wurde im Januar und Februar 2012 durchgeführt. Inzwischen sind 31 Pflegelots*innen regelmäßig sowohl in einmaligen als auch in längerfristigen Einsätzen aktiv. Diese Einsätze werden fachlich begleitet von einer ehrenamtlichen Einsatzkoordinatorin.

Es finden regelmäßig Schulungen statt und alle sechs bis acht Wochen begleitete Austauschtreffen. Pflege und Haushalt werden nicht von ehrenamtlichen Pflegelots*innen übernommen, diese Dienste bleiben in den Händen der Profis. Pflegelots*innen übernehmen auch keine Aufgaben der rechtlichen Betreuung.

 

Wie stärkt das Projekt die Gemeinschaft vor Ort?

Pflege findet vor Ort statt. Lokale Infrastrukturen und soziale Netzwerke in der Gemeinschaft bestimmen die Qualität des Lebens im Alter in erheblichem Maße. Der "Ehrenamtliche Pflegelotsendienst" ist ein gemeinde- und trägerübergreifendes Angebot, das zur Lebensqualitätsverbesserung da ist und von allen Gemeinden gleichermaßen abgerufen werden kann. Es ergänzt bestehende Sorge- und Hilfearrangements. Es findet keine Evaluation hinsichtlich einer Veränderung des Miteinanders im Landkreis statt, jedoch kann ein stetiger Anstieg der Einsätze im Vergleich zu den Vorjahren festgestellt werden.

Bild-Adresse:

 

Wer beteiligt sich am Projekt?

Die Zusammensetzung der Kooperationspartner, wie z. B. Sozialplanung, Pflegestützpunkt des Landkreises, Kreisseniorenrat (KSR) Konstanz, landkreisweit aktives Selbsthilfenetzwerk "Kommit", bildet die Vielfalt der Menschen ab, die sich für die Themen rund ums Älterwerden interessieren. Aufgaben, wie die Akquise von weiteren Interessierten, die Unterstützung bei Schulungen, die Werbung für den Dienst der Pflegelots*innen sowie deren Integration in Sitzungsgremien, z. B den Kreisseniorenrat (KSR), werden von eben genannten Partnern übernommen. Der Pflegestützpunkt, der trägerneutral, umfassend, wohnortnah und kostenlos berät, vermittelt die Pflegelots*innen auf Wunsch an alle Klient*innen gleichermaßen.

 

Welche Ergebnisse wurden bereits erzielt?

Von März 2012 bis Dezember 2015 waren die Pflegelots*innen in über 200 Einsätzen im Landkreis aktiv. Schwerpunkte ihrer Arbeit waren/sind:

  • Emotionale Entlastung durch Gespräche;
  • Klärung der aktuellen Situation;
  • Vorschläge über Hilfsmöglichkeiten;
  • Unterstützung bei der Beantragung von Leistungen;
  • Beratung über Möglichkeiten der Vorsorge;
  • Vorschläge für Freizeitgestaltung und aktive Begleitung.

 

Pflegelots*innen übernehmen Aufgaben, die durch hauptamtliche Mitarbeiter*innen in diesem Maße nicht geleistet werden könnten und somit auch nicht finanzierbar wären. Aufgrund des präventiven und begleitenden Charakters dieser ehrenamtlichen Hilfestellung kann rechtzeitig geholfen und somit eine Eskalation sozialer und gesundheitlicher Probleme mit hohen Folgekosten vermieden werden.

 


Infokasten

Projektzeitraum: Die Entwicklung und Umsetzung des Projektes erfolgte 2011/2012. Seit März 2012 sind die geschulten Pflegelots_innen im Einsatz.

Wo wurde das Projekt umgesetzt? Landkreis Konstanz

Zielgruppe: Es gibt zwei Zielgruppen, die mit dem Projekt angesprochen werden sollen:

  • Interessierte Ehrenamtliche mit und ohne Erfahrung im Bereich der Pflege, die sich als Pflegelots_innen engagieren möchten 
  • Diejenigen, denen geholfen werden soll, also Pflegebedürftige und deren Angehörige.

(Projekt)Partner*innen: Sozialplanung im Landkreis Konstanz

(Bisherige) Teilnehmendenzahl: Derzeit sind 31 Pflegelots_innen aktiv.

Benötigte Ressourcen: Finanzen: Die initiale Schulung, bestehend aus Personalkosten für Planung, Konzept, Umsetzung und Akquise von interessierten Teilnehmer*innen, wurde teilfinanziert durch die "Anschubfinanzierung Pflegestützpunkt" (2011) in Höhe von aufgerundet 4.500 Euro.


 

Wer hat das Projekt initiiert? Inwiefern spielt eine Rolle, wer das Projekt initiiert hat?

Initiatorin war die Fachstelle für Bürgerschaftliches Engagement. Die enge Zusammenarbeit zwischen der Fachstelle, dem Pflegestützpunkt und der Sozialplanung bei der Planung und Umsetzung, hat den Erfolg des Projektes maßgeblich mitbestimmt. Alle Erfahrungen und Kompetenzen dieser Stellen (Expert*innenteam) wurden gebündelt und ergänzten sich ideal. Durch den optimalen Einsatz der finanziellen und personellen Ressourcen wurde die Forderung nach kostengünstigem Verwaltungshandeln unterstützt.

 

Ist das Vorhaben nachhaltig angelegt? Inwiefern?

Es stehen derzeit 31 Pflegelots*innen im gesamten Landkreis Konstanz zur Verfügung. Die Laufzeit des inzwischen verstetigten Projektes ist nicht begrenzt. Der Ehrenamtsdienst der Pflegelots*innen ist auf Dauer ausgerichtet. Eine klare und nachhaltige Finanzierung durch den Landkreis mit Fördermitteln der gesetzlichen Pflegeversicherung schafft Kontinuität und Verlässlichkeit. Weitere Ehrenamtliche können jederzeit dazustoßen. Geschult werden die "Neuen" im Laufe des Jahres. Zusätzlich steht eine Schulungs-CD zur Verfügung.

 

Ist das Projekt übertragbar? Wenn ja, unter welchen Bedingungen? Was sind spezifische Faktoren?

Eine Umsetzung in ähnlicher Art und Weise ist überall dort möglich, wo Altenhilfe/Pflegeberatung nicht ausschließlich auf den Einsatz hauptamtlicher Mitarbeiter*innen setzt. Erforderlich ist auch ein nachhaltiges Finanzierungskonzept, das sich nicht ausschließlich über eine Projektfinanzierung definiert. Um Missverständnisse zu vermeiden, muss klar kommuniziert werden, welche Aufgaben jeweils die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Einsatzkräfte übernehmen. Eine feste Ansprechperson für die Ehrenamtlichen sorgt für Sicherheit und beugt Frustrationen und damit einem vorzeitigen Ausscheiden vor. Nachfolgende Ressourcen werden benötigt:

  • Die jährlich wiederkehrenden Aufwendungen für das Gesamtpaket, bestehend aus Personalkosten für die Fachkräfte, Referent*innen für Schulungen, Würdigungsveranstaltungen, Übungsleiterpauschale für die Einsatzkoordinatorin, Flyer und sonstige Werbung für Pflegelots*innen, in Höhe von knapp 10.000 Euro, werden zur Hälfte über den Förderantrag nach §45 d, SGB XI finanziert.
  • Räume für die Schulungen und Austauschtreffen bieten das Landratsamt, das Gesundheits- und Versorgungsamt sowie das Mehrgenerationenhaus aufgrund der Kooperation kostenfrei an.
  • Zwei hauptamtliche Mitarbeiter*innen (Fachstelle für Bürgerschaftliches Engagement und Pflegestützpunkt), mit einem Aufwand von 60 bzw. 70 Arbeitsstunden pro Jahr, sowie eine ehrenamtliche Koordinatorin, bilden das organisatorische Gerüst des Pflegelotsendienstes.

 

Was können Sie anderen mit auf den Weg geben?

Die Integration einer bürgerschaftlichen Engagementkultur in Pflegekontexte ist nicht nur im Sinne einer Entlastung der Pflegekräfte und der Familienangehörigen, sondern auch im Sinne einer ganz persönlichen menschlichen Bereicherung zu verstehen. Demzufolge macht jede Art eines Besuchsdienstes Sinn. Hilfsdienste für Senior*innen können dann nachgefragt werden, wenn diese bekannt/transparent sind und von einer vertrauten/bekannten Person vermittelt werden, die zeitlich und räumlich gut erreichbar ist. Deshalb ist die Wahl der Kooperationspartner*innen von großer Bedeutung. Die Öffentlichkeitsarbeit muss bei der Planung zeitlich und finanziell berücksichtigt werden.

 


Pflegebedürftige und pflegende Angehörige brauchen die Unterstützung der Gesellschaft. Ehrenamtliche Pflegelotsen stehen für Solidarität und echte Entlastung. Sie helfen mit, diesen Grundsatz zu verwirklichen und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen, verdeutlicht Frank Hämmerle, Landrat des Landkreises Konstanz.


 

Kontakt

Pia Faller
Pflegestützpunkt Landkreis Konstanz
Sozialdezernat
Scheffelstraße 15
78315 Radolfzell
Telefon: 07531 – 80 02 626
E-Mail: psp@LRAKN.de
Website: www.pflegestuetzpunkt-konstanz.de/

Annette Breitsameter-Grössl
Fachstelle für Bürgerschaftliches Engagement
Sozialdezernat
Benediktinerplatz 1
78467 Konstanz
Telefon: 07531 – 80 01 783
E-Mail: annette.breitsameter-groessl@LRAKN.de
Website: www.landkreis-konstanz.de/

 

 

Partner

Logos des Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) und der Amadeu Antonio Stiftung (AAS)
 
 
 
Veranstaltungen

Jahresfachtagung der Landesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros NRW

Wann? Am 21.05.2019

Wo? In Düsseldorf

Drei Arme treffen sich in der Mitte.

© www.pexels.com

 

Tagung mit Exkursion "LEADER trifft Kreativwirtschaft"

Wann? Am 26.-27.04.2019

Wo? In Löbau (Sachsen)

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